Bad Münder bekommt ein neues Rathaus, und zwar als Neubau am Standort der alten Schule. Das hat der Rat der Stadt in seiner Sitzung am Donnerstagabend, 20. August 2026, in geheimer Abstimmung mit 17 Ja- und 11 Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen beschlossen – gut drei Wochen vor der Kommunalwahl am 13. September. Damit endet vorerst ein Streit, der die Stadt seit mehr als zwei Jahren beschäftigt und im September 2025 sogar die Bürgerinnen und Bürger an die Urnen gerufen hatte.
Unter dem Tagesordnungspunkt „Zukünftiger Hauptsitz der Stadtverwaltung“ ging es um zwei Varianten. Der Rat stellte zunächst eine Machbarkeitsstudie zur Variante „Sparkasse/Steinhof“ fest, die danach grundsätzlich umsetzbar wäre. Im anschließenden Wirtschaftlichkeitsvergleich schnitt aber der Neubau besser ab. Er kommt auf einen fortgeschriebenen Kostenrahmen von 12.235.018 Euro und 4,05 Bewertungspunkte. Die Alternative „Sparkasse/Steinhof“ erreichte 3,16 Punkte, bei einem Kostenrahmen von 12.773.612 Euro – dazu wären noch der Kauf von Grundstücken und geschätzte Nebenkosten von 560.000 Euro gekommen.
Zwei Abstimmungen im September 2025
Dass überhaupt noch einmal verglichen wurde, geht auf den 21. September 2025 zurück. An diesem Sonntag stimmten die Wahlberechtigten in Bad Münder über zwei Vorlagen ab. Ein Bürgerentscheid wollte den Ratsbeschluss vom 20. Juni 2024 für einen Neubau kippen und stattdessen die alte Schule an der Friedrich-Ebert-Allee zum Verwaltungssitz umbauen lassen. Nach den damals von der Stadt veröffentlichten Abstimmungsunterlagen sollte der Umbau rund 8,36 Millionen Euro kosten, der Neubau rund 13,26 Millionen Euro – beides Schätzungen für eine Ausführung im ersten Quartal 2026.
Parallel lag ein Ratsbürgerentscheid vor. Er sah vor, zusätzlich die Variante „Sparkasse/Steinhof“ prüfen zu lassen und die wirtschaftlichere Lösung umzusetzen; die Prüfung sollte rund 75.000 Euro kosten. Verbindlich war ein Entscheid nur, wenn die Mehrheit mit Ja stimmte und diese Mehrheit mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten ausmachte. Bezugsgröße waren 14.564 Wahlberechtigte der Bürgermeisterstichwahl 2021. Der jetzige Ratsbeschluss beruft sich ausdrücklich auf den Ratsbürgerentscheid – die Machbarkeitsstudie und der Vergleich gehen auf ihn zurück.
Neue Zahlen, alte Streitfrage
Wer die Zahlen nebeneinanderlegt, sieht eine Verschiebung: Der Neubau wurde 2025 auf rund 13,26 Millionen Euro geschätzt, im jetzigen Vergleich steht er mit gut 12,2 Millionen Euro. Wie sich der Unterschied erklärt, geht aus den öffentlich zugänglichen Unterlagen nicht hervor. Der günstigere Umbau der alten Schule, mit dem die Initiatoren des Bürgerbegehrens geworben hatten, spielte im Vergleich keine Rolle mehr.
Als Nächstes soll die Verwaltung die Finanzierung klären und danach die europaweiten Vergabeverfahren für die Planung vorbereiten: Architekten, Fachingenieure für Heizung, Lüftung und Sanitär, für Elektro sowie für die Tragwerksplanung. Die Ausschreibungen sollen Ende 2026 starten. Grundlage für die Finanzierung sind der Haushalt 2026 und die Genehmigung der Kommunalaufsicht.
Offen bleibt damit, wann gebaut wird und was am Ende tatsächlich gezahlt werden muss. Ebenso offen ist, wie der neue Rat, der am 13. September gewählt wird, mit dem Beschluss umgeht. Über den Zeitpunkt der Entscheidung war vor der Sitzung gestritten worden: Teile der Ratspolitik hatten dafür plädiert, die Entscheidung dem neu gewählten Rat zu überlassen.

