StartAllgemeinVerkehrsversuch am 164er Ring: Stadtkonzept und Petition wollen mehr Grün

Verkehrsversuch am 164er Ring: Stadtkonzept und Petition wollen mehr Grün

Rathausplatz, Bürgergarten und Hamelpark könnten in den kommenden Jahren zu einer zusammenhängenden grünen Fläche in der Hamelner Innenstadt werden. Neuen Schwung bekommt die Debatte durch eine laufende Petition: Sie fordert, den Bürgergarten um die Grünanlage an der Hamel zu erweitern und den versuchsweise gesperrten Abschnitt des 164er Rings dauerhaft zu entsiegeln und zu begrünen. Die Initiatoren berufen sich dabei auf das Klimaanpassungskonzept der Stadt.

Tatsächlich ist die Umgestaltung als Projektsteckbrief im städtebaulichen Entwicklungskonzept Altstadt und Weserufer festgehalten, das als Ergänzung zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept entstanden ist. Federführend ist die Abteilung 41 Stadtentwicklung und Planung.

Umgesetzt ist davon bislang nichts. Über die Programmanmeldung 2024 zur Fortführung des Städtebauförderprogramms „Lebendige Zentren“ konnte die Finanzierung des Vorhabens nicht aufgenommen werden. Das Projekt bleibt damit vorerst ein Konzept auf dem Papier.

Stadtklima als Antrieb

Als zentralen Grund für die angestrebte Umgestaltung nennt die Stadt die stadtklimatische Funktion der Flächen. Der Bürgergarten zählt laut Konzept zu den wenigen innerstädtischen Flächen, die aufgrund ihrer Größe und Begrünung Kaltluft in die umliegende Bebauung abfließen lassen. Eine Erweiterung der Fläche könnte diesen Effekt verstärken. Die baumbestandenen Bereiche im östlichen Bürgergarten und im gegenüberliegenden Hamelpark gelten zudem als wichtiger Ausgleichsraum gegen Hitze am Tag.

Der Hamelpark ist derzeit allerdings nicht an den Bürgergarten angebunden und bietet nach Einschätzung der Verwaltung nicht genug Infrastruktur, um von der Bevölkerung tatsächlich als Erholungs- und Ausgleichsraum genutzt zu werden. Der vollständig versiegelte Rathausplatz trägt nach Darstellung der Stadt gegenwärtig sogar zur Hitzebelastung bei — könnte durch Begrünung künftig aber zur klimatischen Entlastung beitragen.

Schwammstadt-Prinzip

Eine stärkere Begrünung und Vernetzung der Flächen soll zugleich dem sogenannten Schwammstadtprinzip dienen: Niederschlagswasser wird zurückgehalten, versickert und verdunstet, statt schnell in die Kanalisation abzufließen. Die dadurch verstärkte Verdunstungskühlung trägt nach Konzept zusätzlich zur Abkühlung bei. Insgesamt versteht die Stadt die Maßnahmen nicht nur als ökologische, sondern auch als städtebauliche und gestalterische Aufwertung, die die Naherholung im Stadtteil verbessern soll.

Erster Schritt: der Rathausplatz

Zunächst sollen Bürgergarten und Rathausplatz miteinander verbunden werden. Der Rathausplatz soll dafür eine flächige Begrünung erhalten, ergänzt durch Pflanzbeete. Zu berücksichtigen ist dabei die weitere Nutzung des Platzes für den Wochenmarkt; entsprechende Stellplätze ließen sich etwa über Schotterrasen anlegen, sofern die Barrierefreiheit gewahrt bleibt. Bäume sind wegen der darunterliegenden Tiefgarage nicht möglich.

Im Fokus steht daher die Entsiegelung: Auch wenn über der Tiefgarage keine Verbindung zu Mutterboden und Grundwasser hergestellt werden kann, reduziert eine Rasenoberfläche laut Stadt die Erhitzung des Stadtraums am Tag, fördert nachts die Kaltluftbildung und hält bei Starkregen mehr Wasser zurück — was die Kanalisation entlastet. Möglich ist die Umgestaltung allerdings nur im Zuge einer ohnehin nötigen Sanierung der Rathaustiefgarage.

Streitpunkt 164er Ring

Am umstrittensten ist der Abschnitt, auf den auch die Petition zielt: der 164er Ring. Bürgergarten und Hamelpark werden allein durch diesen Straßenabschnitt zwischen Deisterallee und Scharnhorststraße getrennt. Ein Rückbau wird nach Angaben der Stadt in Verwaltung und Öffentlichkeit bereits länger diskutiert.

Der Abschnitt werde lediglich für den Durchgangsverkehr genutzt, heißt es im Konzept. Zufahrten etwa zum Mercure Hotel oder zum Bellevue-Center seien ebenso über die Sedanstraße erreichbar. Ein Rückbau zugunsten eines in die Parklandschaft eingebetteten Rad- und Fußwegs sei damit möglich. Über eine Zusammenlegung der Parkflächen ließe sich die kühlende Wirkung des Baumbestands besser für Besucher nutzbar machen — und so ein zusätzlicher Erholungsraum in der stark überwärmten Innenstadt schaffen.

Aktuell ist der Abschnitt versuchsweise für den Autoverkehr gesperrt. Genau diesen Verkehrsversuch nehmen die Initiatoren der Petition zum Anlass, eine dauerhafte Sperrung und Begrünung zu fordern. Zugleich gibt es gegen den Versuch Widerstand aus Politik und Medien; über eine Verkürzung wird diskutiert.

Wie es weitergehen soll

Angestrebt ist eine abschnittsweise Entwicklung auf Grundlage eines Gesamtkonzepts, das über einen freiraumplanerischen Wettbewerb entstehen soll. Das Vorhaben ist im städtischen Klimaanpassungskonzept verankert. Es zahlt auf mehrere dort formulierte Leitlinien ein: eine wassersensible Entwicklung im Sinne der Schwammstadt, eine hitzeresistente Stadt mit besserer Durchlüftung und Verschattung, den Schutz städtischer Ökosysteme sowie den Erhalt stadtklimatisch bedeutsamer Flächen. Adressiert werden damit Stadtverwaltung, Politik und Stadtgesellschaft gleichermaßen.

Ob und wann das Projekt über den Konzeptstatus hinauskommt, hängt maßgeblich an der Finanzierung — und, im Fall des 164er Rings, an einer politischen Entscheidung, die bislang aussteht.

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