Seit rund drei Monaten verlieren Autofahrer an einem Abschnitt der Pyrmonter Straße die drahtlose Verbindung zwischen Smartphone und Fahrzeug. Bei einem Ortstermin stieß Dossier Hameln auf eine Funkanlage an einer Hausfassade in Sichtweite — eine Sendeanlage, die im selben Frequenzband arbeitet wie die Autoverbindung. Ob sie die Ursache ist, muss die Bundesnetzagentur klären. Sie kannte den Fall bis zur Anfrage dieser Redaktion nicht.
Wer auf der Pyrmonter Straße in Höhe der ehemaligen Eisenbahnbrücke unterwegs ist und sein Smartphone drahtlos mit dem Fahrzeug verbunden hat, verliert dort die Verbindung. Navigation und Musik fallen aus, das Telefon muss neu gekoppelt werden. Vier Betroffene haben Dossier Hameln unabhängig voneinander davon berichtet, alle mit kabellosem Android Auto, alle seit rund drei Monaten, alle bei jeder Fahrt. Am 20. August ist der Autor dieses Textes mitgefahren und hat den Ausfall selbst erlebt — in beiden Fahrtrichtungen.
Dass vier verschiedene Telefone in vier verschiedenen Fahrzeugen betroffen sind und der Ausfall reproduzierbar auftritt, spricht gegen eine Geräteeigenart und für eine ortsgebundene, dauerhaft wirkende Ursache.
Was an der Fassade hängt
Bei einem Ortstermin hat Dossier Hameln die Umgebung in Augenschein genommen. An einem Gebäude in Sichtweite der Fahrbahn ist auf Höhe des Dachgeschosses eine weiße, flache Funkanlage montiert, auf einem Wandausleger, versorgt über ein einzelnes Netzwerkkabel. Ihre Vorderseite weist in Richtung der Straße.
Quelle: Tim MenkeGehäuseform, Abmessungen und das aufgeprägte Herstellerlogo sprechen für ein Gerät des US-Herstellers Ubiquiti aus der Baureihe UniFi Device Bridge Pro Sector, Typenkurzzeichen UDB-Pro-Sector. Das Typenschild war vom Boden aus nicht lesbar; die Zuordnung stützt sich auf den Abgleich mit Herstellerabbildungen und auf die im Datenblatt genannten Maße von 360,9 mal 129,6 mal 71,4 Millimetern. Sie ist plausibel, aber nicht bewiesen.
Wozu ein solches Gerät dient
Es handelt sich weder um eine Empfangsantenne noch um einen Router für den Hausgebrauch, sondern um eine Basisstation für Punkt-zu-Mehrpunkt-Funkverbindungen. Solche Anlagen ersetzen Kabel: Eine Basisstation an einem zentralen Gebäude versorgt mehrere Gegenstellen an anderen Standorten mit einer Datenverbindung. Typische Anwendungen sind die Anbindung von Betriebsgebäuden, abgelegenen Standorten oder Überwachungskameras, für die keine Leitung verlegt werden soll.
Anders als ein Heim-WLAN, das in alle Richtungen abstrahlt, bündelt die Anlage ihre Sendeleistung in einen Sektor — sie leuchtet einen Ausschnitt der Landschaft aus, statt eine Wohnung zu versorgen. Nach einer Angabe im Supportbereich des Herstellers kann die Sector-Variante ausschließlich als versorgende Basisstation arbeiten und nicht als Gegenstelle. Trifft das zu, sendet sie in jedem Fall, und zwar im Dauerbetrieb.
Die wesentlichen Werte aus dem Herstellerdatenblatt:
- Betrieb im 5-Gigahertz-Band
- gerichtete Antenne mit 17 dBi Gewinn, fest im Gehäuse verbaut
- bis zu 25 dBm leitungsgebundene Sendeleistung, summiert über beide Sendeketten
- Kanalbreite 20 oder 40 Megahertz
- Versorgung über Netzwerkkabel, 6 Watt Leistungsaufnahme, wetterfestes Gehäuse
Warum sie als Ursache in Betracht kommt
Vier Eigenschaften greifen ineinander.
Erstens das Frequenzband. Kabelloses Android Auto funktioniert nicht über Bluetooth allein. Bluetooth dient der ersten Kontaktaufnahme; Karten, Musik und Bedienoberfläche laufen anschließend über eine eigene WLAN-Verbindung im 5-Gigahertz-Band, direkt zwischen Telefon und Autoradio. Die Anlage arbeitet im selben Band.
Zweitens die Bündelung. Das Gerät nimmt sechs Watt aus dem Netz auf und strahlt davon nur einen Bruchteil ab. Weil die gerichtete Antenne diese Leistung aber konzentriert, wirkt sie in Hauptstrahlrichtung so, als käme sie aus einem Rundstrahler mit einem Vielfachen davon. Diese Rechengröße heißt äquivalente isotrope Strahlungsleistung. Rechnerisch könnte das Gerät auf bis zu 16 Watt kommen — eine Hardwareobergrenze, kein Betriebswert: Die Anlage trägt eine CE-Kennzeichnung, ihre Software muss die Leistung auf die zulässigen Werte begrenzen. Welcher Wert eingestellt ist, lässt sich von außen nicht erkennen.
Drittens die Empfindlichkeit der Gegenseite. WLAN-Geräte senden nicht einfach los. Sie hören den Kanal vorher ab und warten, sobald sie eine fremde Aussendung wahrnehmen — bei erkennbaren WLAN-Signalen bereits ab etwa minus 82 Dezibel-Milliwatt, wenigen Milliardstel eines Milliwatts. Ein Signal kann also längst zu schwach sein, um selbst Daten zu übertragen, und trotzdem genügen, um eine fremde Verbindung ohne Sendezeit zu lassen, bis sie in eine Zeitüberschreitung läuft und abgebaut wird. Das passt zum Störungsbild: kein allmähliches Schlechterwerden, sondern ein plötzlicher Totalausfall.
Viertens die Kanalbreite. Eine Aussendung mit 40 Megahertz belegt zwei der genormten 20-Megahertz-Kanäle und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Anlage und die Fahrzeugverbindung denselben Bereich teilen.
Dass die Verbindung anschließend nicht von selbst zurückkommt, liegt nicht an der Störung, sondern an der Software: Android Auto baut die Sitzung bei einem Abriss vollständig ab, und viele Fahrzeugsysteme stellen sie nicht selbsttätig wieder her. Das muss durch den Nutzer manuell erfolgen.
Bewiesen ist damit nichts. Ob die Anlage auf einem Kanal arbeitet, der die Fahrzeugverbindungen trifft, mit welcher Leistung sie sendet und wohin ihre Hauptstrahlrichtung genau zeigt, lässt sich von außen nicht feststellen. Auch andere Quellen kommen in Betracht — defekte Netzteile, Wechselrichter oder andere Elektronik in der Umgebung. Dossier Hameln hat keine Messung vorgenommen.
Der rechtliche Rahmen
Das 5-Gigahertz-Band ist allgemein zugeteilt: Jeder darf es nutzen, muss sich aber an Frequenzbereiche und Leistungsgrenzen halten. Nach den Zuteilungsbedingungen der Bundesnetzagentur besteht dabei kein Anspruch auf Störungsfreiheit — Beeinträchtigungen durch andere Nutzer sind grundsätzlich hinzunehmen. Das gilt jedoch nur innerhalb der zugeteilten Grenzen. Wer außerhalb der zulässigen Bereiche oder mit zu hoher Leistung sendet, handelt regelwidrig, unabhängig davon, ob dadurch jemand gestört wird.
Die Behörde wusste von nichts
Auf telefonische Nachfrage teilte die Bundesnetzagentur mit, der Fall sei dort bislang nicht bekannt. In den Monaten zuvor hatte offenbar niemand eine Meldung abgesetzt.
Mit einer Bewertung der Lage vor Ort sei voraussichtlich innerhalb der kommenden Woche zu rechnen, hieß es weiter; eine verbindliche Zusage war damit nicht verbunden. Vorrang hätten Einsätze, bei denen sicherheitsrelevante Funkdienste betroffen sind — Polizei, Rettungsdienste, Feuerwehr, Flugnavigationsfunk. Der Prüf- und Messdienst ermittelt Störquellen durch Anpeilung; für Meldende ist das Verfahren nach Angaben der Behörde kostenfrei.
Offene Fragen
Ungeklärt bleiben der genaue Gerätetyp, das genutzte Frequenzband, die eingestellte Sendeleistung, die Ausrichtung der Anlage und die Identität ihres Betreibers. Bis zu einer Messung ist der Zusammenhang zwischen der Anlage und den Verbindungsabbrüchen eine naheliegende, aber unbewiesene Vermutung.

