Das Vermächtnis

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Heute vor zwei Jahren schied EKHK Manfred Hellmich aus dem Amt des Leiters des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden aus. Er hinterließ eine laufende Ermittlungsakte, einen vorbereiteten Durchsuchungsbeschluss und eine Nachfolgerin, die beides erbte ohne die Entscheidungen getroffen zu haben, die dazu geführt hatten.

Was danach geschah, ist dokumentiert. Was es bedeutet, ist die Frage, die dieser Text stellt.

Der Beschluss

Manfred Hellmich war der Leiter des ZKD während eines Verfahrens, dessen Ergebnis — ein Durchsuchungsbeschluss gegen ein Objekt am Kastanienwall in Hameln — er nicht mehr selbst vollstreckte. Er schied aus dem Amt. Seine Nachfolgerin, PRin Marie Louise Lohmann, trat am 1. September 2024 die ZKD-Leitung an. Sieben Wochen später, am 17. Oktober 2024, rückte die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden, unterstützt von der ZPD Hannover, mit rund 100 Beamten aus.

Es war ein außergewöhnlicher Einsatz. Hundert Beamte für ein Objekt. Stunden Durchsuchung. Aufmerksamkeit in der Stadt.

Das Ergebnis: Am 3. Februar 2025 stellte die Staatsanwaltschaft Hannover das Verfahren nach § 170 Abs. 2 StPO ein. Kein hinreichender Tatverdacht, „keinerlei Hinweise“ musste die Staatsanwaltschaft einräumen. Das bedeutet nicht nur, dass nichts gefunden wurde. Es bedeutet, dass nach eingehender Prüfung kein Anfang eines Beweises vorlag, der einen Strafprozess gerechtfertigt hätte.

Die Durchsuchung hätte nicht stattfinden dürfen. Das ist das Ergebnis.

Das Strafverfahren

Auf die Einstellung folgte eine Frage: Wie konnte das passieren?

Ein Durchsuchungsbeschluss entsteht nicht von allein. Er setzt voraus, dass ein Gericht überzeugt wird — auf Basis einer Akte, die von Ermittlern zusammengestellt wird. Wenn die Durchsuchung, die auf einem solchen Beschluss beruht, anschließend eingestellt wird weil kein Tatverdacht bestand, ist die Frage unausweichlich: Was stand in der Akte, die dem Gericht vorgelegt wurde? Und was stand nicht darin?

Eingangsbestätigung der Generalstaatsanwaltschaft Celle

Auf Strafanzeige des Chefredakteurs dieser Zeitung leitete die Staatsanwaltschaft Hannover unter dem Aktenzeichen 1161 Js 27756/26 ein Ermittlungsverfahren ein. Der Vorwurf: Urkundenunterdrückung nach § 274 StGB. Der Verdacht: Dem Ermittlungsgericht sollen entlastende Erkenntnisse bewusst vorenthalten worden sein. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat den Anfangsverdacht bestätigt.

Das Verfahren läuft seit bald sechs Monaten. Ein Ende ist nicht absehbar. Manfred Hellmich wird in der dem Verfahren zugrunde liegenden Strafanzeige als Hauptverantwortlicher angeführt. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Das Vermächtnis

Hellmich hat die Durchsuchung nicht selbst befohlen. Er hat die Akte nicht selbst dem Gericht vorgelegt — das taten seine Mitarbeiterin und seine Nachfolgerin. Und dennoch ist er der Ursprung aller Entscheidungen, die zu dem geführt haben, was danach kam.

ErmittlungsakteQuelle: Tim Menke
Deckblatt der Ermittlungsakte zum Ursprungsverfahren

Er hat das Ermittlungsverfahren zugewiesen. Er hat die Grundlage geschaffen, auf der der Beschluss beantragt wurde. Er ist am 31. August 2024 gegangen und hat ein laufendes Verfahren, einen fertigen, vollziehbaren Beschluss einer Nachfolgerin hinterlassen, die alles geerbt hat: die Verantwortung für einen Einsatz, dessen Grundlage sie nicht kannte, und die Konsequenzen eines Strafverfahrens, an dessen Entstehung sie keinen Anteil hatte.

Dass Hellmich dabei vollständig aus dem Bild verschwunden wäre, legt der Kenntnisstand dieser Redaktion nicht nahe. Wie Dossier Hameln aus Polizeikreisen übereinstimmend erfahren hat, blieb er nach seinem Ausscheiden im Hintergrund aktiv und „unterstützte“ seine Nachfolgerin — in dem ihm eigenen Stil.

Das ist sein Vermächtnis an Marie Louise Lohmann.

Was er der Polizeiinspektion insgesamt hinterlassen hat, ist schwerer zu messen — aber es ist sichtbar.

Die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden steht heute in zwei laufenden Strafverfahren der Staatsanwaltschaft Hannover. Beide wurden auf Strafanzeige des Chefredakteurs dieser Zeitung eingeleitet. Beide wurden als hinreichend begründet bewertet. Das erste, Az. 1161 Js 27756/26 betrifft den Kastanienwall. Das zweite, Az. 1171 UJs 96977/26, betrifft einen Einsatz in der Koppenstraße vom 11. Juni 2026 — ein davon vollständig unabhängiger Vorgang, mit anderen Beteiligten, anderem Tatvorwurf, anderer Rechtsgrundlage.

Polizeipräsidentin Tanja Wulff-Bruhn, bis vor zwei Jahren einer breiteren Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, ist heute namentlich mit der Frage verbunden, wie die Polizeidirektion Göttingen auf Verstöße ihrer Beamten reagiert — oder nicht reagiert. Ihre Rolle ist selbst Gegenstand strafrechtlicher Überprüfung – der Verdacht der Strafvereitelung im Amt steht im Raum.

Diese Zeitung existiert, weil am 17. Oktober 2024 rund 100 Beamte in ein Objekt eindrangen, das sie ohne tragfähigen Tatverdacht durchsuchten – auf der Grundlage einer manipulierten Akte und der Täuschung des Ermittlungsgerichts.

Dossier Hameln - LED-Tafel am KastanienwallQuelle: Tim Menke
Dossier Hameln – LED-Tafel am Kastanienwall, 17.10.2025

All das beginnt an einer Stelle: bei den Entscheidungen, die unter Hellmichs Ägide getroffen wurden.

Das ist keine Anschuldigung. Das ist ein Kausalzusammenhang — dokumentiert in Akten, bestätigt von der Staatsanwaltschaft Hannover, nachvollziehbar für jeden, der die Chronologie liest.

Seit Oktober 2025

Hellmich hat sich seit Beginn der öffentlichen Aufarbeitung im Oktober 2025 nicht mehr öffentlich zur Sache geäußert. Das ist sein gutes Recht.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat sich geäußert: Es gibt einen Anfangsverdacht der Urkundenunterdrückung im Verfahren, für das er organisatorisch die Verantwortung trägt. Die Ermittlungen laufen.

Ehem. ZKD-Leiter EKHK Manfred Hellmich und die fragwürdige AkteQuelle: Tim Menke
Ehem. ZKD-Leiter EKHK Manfred Hellmich und die fragwürdige Akte

Zwei Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem ZKD-Leiterposten ist das die Lage: Ein Strafverfahren, das maßgeblich auf seinen Entscheidungen beruht. Eine Dienststelle, die in seinem Nachgang in zwei Verfahren steckt. Eine Polizeipräsidentin, die ungewohnt bekannt geworden ist. Und Dossier Hameln – ein Medium, das ohne den 17. Oktober 2024 nicht existierte.

Das ist ein Vermächtnis.

Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

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