Hameln. Innerhalb weniger Stunden lieferten sich zwei junge Männer illegale Rennen mit der Polizei – mit Geschwindigkeiten von über 150 km/h, einer überfahrenen roten Ampel und einem überbesetzten Mercedes. Beide Fahrer sind ihren Führerschein los.
Erster Fall: Mercedes mit sechs Insassen rast durch die Stadt
Am Samstagabend gegen 22:40 Uhr fiel einer Streife der Polizei Hameln ein Mercedes auf, der mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit über den Kastanienwall fuhr. Als die Beamten zur Kontrolle ansetzten, gab der Fahrer Gas statt zu bremsen.
Was folgte, war eine Verfolgungsfahrt durch die Hamelner Innenstadt: Der Mercedes beschleunigte auf über 115 km/h, überfuhr eine rote Ampel und versuchte, sich in Richtung Deisterstraße abzusetzen. Erst nach mehrfachen Haltesignalen stoppte der Fahrer sein Fahrzeug im Bereich eines Blumengeschäfts.
Bei der Kontrolle stellten die Beamten fest: In dem Fahrzeug saßen nicht zwei oder drei, sondern sechs Personen. Vier davon quetschten sich unerlaubt auf der Rücksitzbank. Am Steuer: ein 18-Jähriger aus Hameln.
Zweiter Fall: Opel mit 150 km/h auf der B217
Nur wenige Stunden später, in der Nacht zum Sonntag gegen 03:05 Uhr, wiederholte sich das Szenario – fast auf den Meter genau. Erneut bemerkte eine Streife auf dem Kastanienwall ein Fahrzeug, das mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Deisterstraße unterwegs war.
Diesmal flüchtete der Fahrer auf die B217 in Richtung Hannover. Im Bereich der Lubahnstraße erreichte der Opel eine Geschwindigkeit von rund 150 km/h – und hielt dieses Tempo auch beim Durchfahren einer Ortschaft.
Erst im Bereich Altenhagen konnte die Polizei das Fahrzeug stoppen. Am Steuer saß ein 23-Jähriger aus der Region Hannover.
Führerscheine beschlagnahmt – Ermittlungen eingeleitet
Gegen beide Fahrer wurden Ermittlungsverfahren wegen verbotener Kraftfahrzeugrennen eingeleitet. Der Tatbestand nach § 315d StGB wurde 2017 eingeführt und stellt nicht nur Rennen zwischen mehreren Fahrzeugen unter Strafe, sondern auch sogenannte Alleinrennen – also Fahrten, bei denen ein Fahrer grob verkehrswidrig und rücksichtslos die höchstmögliche Geschwindigkeit herauszuholen versucht.
Die Führerscheine beider Männer wurden noch vor Ort beschlagnahmt. Ihnen drohen nun empfindliche Strafen: Das Gesetz sieht für verbotene Kraftfahrzeugrennen Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren oder Geldstrafen vor. Bei Gefährdung von Leib oder Leben anderer Menschen erhöht sich der Strafrahmen auf bis zu fünf Jahre.
Der 18-jährige Mercedes-Fahrer muss sich zusätzlich wegen der Beförderung von mehr Personen als zulässig verantworten – ein Verstoß, der angesichts der Raserei fast harmlos wirkt, aber ebenfalls ein Bußgeld nach sich zieht.
Kastanienwall als Rennstrecke?
Dass beide Vorfälle am selben Ort begannen – dem Kastanienwall in Hameln – wirft Fragen auf. Die Straße ist offenbar bei manchen Fahrern als informelle Teststrecke bekannt. Die Polizei dürfte den Bereich in den kommenden Wochen verstärkt im Blick haben.
Für die beiden jungen Männer endet die Nacht mit leeren Händen: Kein Führerschein, ein Ermittlungsverfahren am Hals und die Aussicht auf eine saftige Strafe. Die Botschaft der Polizei ist klar: Wer die Stadt zur Rennstrecke macht, verliert sein Recht zu fahren.
Bildquellen
- Symbolbild: Shutterstock


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