Freitag, Januar 23, 2026
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Großbrand in Aerzener Holzbetrieb: 119 Retter kämpfen gegen Flammen und Vereisung

AERZEN | Ein nächtlicher Großbrand in einem holzverarbeitenden Betrieb an der Reinerbecker Straße hat am späten Montagabend einen Großeinsatz der Rettungskräfte ausgelöst. Während die 119 freiwilligen Helfer das Übergreifen der Flammen unter widrigsten Umständen verhindern konnten, zwingt der Schaden das Unternehmen vorerst zum Stillstand.

Alarmierung in der Kältenacht

Es war 23:18 Uhr, als die Brandmelder im Landkreis Alarm schlugen. In dem Hamelner Traditionsbetrieb war aus bislang ungeklärter Ursache ein Feuer ausgebrochen, das aufgrund der hohen Brandlast des Rohstoffs Holz schnell um sich griff. Die Rauchsäule war bereits auf der Anfahrt weithin sichtbar, doch die äußeren Bedingungen waren tückisch: Eisregen und Schneeglätte machten die Anfahrt der schweren Löschfahrzeuge zu einer gefährlichen Geduldsprobe.

Strategische Brandbekämpfung unter Extrembedingungen

Trotz der widrigen Witterung gelang es den Feuerwehren aus fast dem gesamten Landkreis, eine umfassende Wasserversorgung aufzubauen. Unterstützt wurden sie dabei von der Werkfeuerwehr der Aerzener Maschinenfabrik.

Wie Feuerwehr-Pressesprecher André Frommer vor Ort berichtete, waren die wesentlichen Löscharbeiten gegen 01:00 Uhr weitgehend abgeschlossen. Doch damit war der Einsatz längst nicht beendet: Die Arbeit verlagerte sich auf die langwierige Bekämpfung verbliebener Glutnester. Um diese im massiven Holzbestand aufzuspüren, setzten die Einsatzkräfte auf moderne Technik. „Eine Drohne mit Wärmebildkamera lieferte uns aus der Luft präzise Daten über die Hitzeentwicklung im Inneren des Gebäudes“, erläuterte Frommer das taktische Vorgehen.

Logistische Meisterleistung: Die „Zeltstadt“ im Schnee

Aufgrund von Schnee und Eis, und weil das Löschwasser auf dem Boden ebenfalls sofort gefror, wurde der Einsatz zu einer Rutschpartie für Mensch und Maschine. Der städtische Bauhof und das THW rückten mit Räumfahrzeugen und schwerem Gerät an, um die Einsatzstelle sicher begehbar zu machen und Trümmerteile beiseite zu räumen.

Um die 119 ehrenamtlichen Kräfte bei den Minusgraden einsatzfähig zu halten, wurde eine provisorische Zeltstadt errichtet. Diese diente als:

  • Einsatzzentrale: Koordination der verschiedenen Wehren und Fachdienste.
  • Hygiene- und Dekontaminationszone: Sicherer Kleiderwechsel für Atemschutzträger.
  • Versorgungsstation: Schutz vor der Kälte und Verpflegung der Helfer.

Produktion vorerst eingestellt

Die Bilanz der Nacht ist zweigeteilt: Dank des massiven Aufgebots an Kräften gab es keine Verletzten. Doch für den betroffenen Betrieb ist der Ausgang des Feuers folgenschwer. Wie die Eigentümer noch in der Nacht mitteilten, liegt die Produktion aufgrund der Zerstörungen bis auf Weiteres auf Eis.

Der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren hat in dieser Winternacht Schlimmeres verhindert, doch die wirtschaftlichen Folgen für das Unternehmen und seine Mitarbeiter werden die Stadt noch länger beschäftigen.


Einschätzung der Redaktion: Diese Nacht hat erneut gezeigt, wie unverzichtbar das Ehrenamt im Landkreis Hameln-Pyrmont ist. Dass bei diesen extremen Wetterverhältnissen und der Brandlast eines Holzbetriebs niemand zu Schaden kam, grenzt an eine organisatorische Meisterleistung der freiwilligen Feuerwehren.

Bildquellen

  • Brand Reinerbecker Straße, Aerzen: Tim Menke

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